100 Jahre ist es nun her, daß Gaston Leroux sein Meisterwerk “Le Fantôme de l’Opéra” veröffentlicht hat. Und bis zum heutigen Tag hat es noch kein Musical geschafft, diesem Meisterwerk ein würdiges musicalisches Denkmal zu setzen. Zwar gibt es viele Musical-Adaptionen, angefangen beim wohl bekanntesten, Andrew Lloyd Webbers Version über die Version von Yeston und Kopit bis hin zu den immer im Winter tourenden Ensembles. Eines dieser Ensembles ist die Central Musical Company, welche die Version von Arndt Gerber und Paul Wilhelm dem Publikum versucht nahezubringen.
Doch leider ist es bei dem Versuch geblieben. Das Publikum in der Nürnberger Meistersingerhalle zeigte sich nicht sonderlich beeindruckt von der Geschichte des entstellten Engels der Musik und seiner Liebe zu der Sängerin Christine Daaé. An den gesanglichen Fähigkeiten der Darsteller dürfte es nicht gelegen haben, denn diese waren durchaus beeindruckend, doch schaffte es keiner der Darsteller, die Geschichte bis über den Bühnenrand hinaus in das Publikum zu tragen. Auch das Orchester unter der Leitung von Lajos Taligás tat alles, doch sprang der Funke nicht über.
Gesanglich waren alle Darsteller top, doch haperte es bei einigen am Schauspiel, so wirkten die Dialoge hölzern und einstudiert, es fehlte die Emotion. Das Phantom, welches gegen die Darstellerin der Christine viel zu jung wirkte, war eher ein Kätzchen, als ein furchteinflößendes, wütendes und verzweifeltes Wesen. Auch war Christine zu ernst und zu steif, auch in den gelösteren Szenen, Raoul war blass und farblos, während alle anderen teilweise zu sehr in das Alberne abglitten. Einzig Bühnenpförtner Philippe war authentisch und bekam zum Schluß auch den meisten Applaus.
Darsteller:
Martin Mairinger – Das Phantom der Oper
Desirée Brodka – Christine Daaé
Monsieur Philippe – Jens Bogner
Raoul de Chagny – Daniel-Erik Biel
Moncharmin – Hans-Jürgen Zandner
A.M.J. Carlotta – Alexandra-Maria Voigt
Rémy – Horst Wolff
Gaston / Monsieur Fauve – Roger Leonhard
Ballettmeisterin / Madame Giry – Mara Sievers
Polizist / Bote – Sam Berger
Doch der Applaus war nur von kurzer Dauer und ebbte auch sehr bald ab und das Saallicht entließ die Zuschauer in die Nacht. Diskussionen über das Stück hörte man wenig, vermutlich weil niemand etwas darüber zu sagen wußte. Es war einfach so dahingeplätschert und hatte leider keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Doch auch wenn man sich in diesem Stück vielleicht langweilte, so entschuldigt dies nicht die Tatsache, daß manche Leute ihre SMS während der Show lesen und beantworten mußten. Ein wenig Anstand kann man dennoch erwarten. Aber das nur nebenbei.
Phantom der Oper-Fans wird aufgefallen sein, daß die Dialoge aus vielen Originalzitaten aus Gaston Leroux Buch “Das Phantom der OPer” bestanden, ein Fakt, der ein wenig über die Mängel hinwegtröstete, zumindest die Phantom der Oper-Fans.
Bewertung: 2 von 5
Link zum Originaltext: http://www.buehnenzeitung.de/?id=3669&tag=blog

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