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Wenn ich einmal reich wär’…

Jeder hat sich schon einmal seine Gedanken gemacht, wie es wäre, wenn man reich wären, nicht wahr? Doch Reichtum bedeutet nicht unbedingt immer Geld. Reich waren und sind auch die Darsteller auf den Festspielen in Röttingen – nämlich reich an Talent. Und dafür wurden sie auch reich belohnt – nämlich mit Applaus, viel Applaus.

Beim Theater unterm Himmelszelt, wie man die Festspiele in Röttingen so passend umschreibt, wurden die Zuschauer am gestrigen Abend in das kleine ukrainische Dörfchen Anatevka entführt, wo Tevje (Wolf Aurich) mit seiner Frau Golde (Renate Kastelik) und deren fünf Töchtern beschaulich, aber arm, lebt. Niemand beschwert sich darüber, denn es ist ja keine Schade, arm zu sein, doch wie Tevje in seinem Gespräch an den lieben Gott bemerkt, ist es auch keine besondere Ehre.

Doch leider ist dies schon bald Tevjes kleinstes Problem, denn seine Töchter Zeitel (Anna Kowalko), Hodel (Ulla Pilz) und Chava (Barbara Endl) brechen mit seiner geliebten Tradition und verlieben sich – sie suchen sich ihren Mann quasi selbst! Während er es bei Zeitel und Hodel gerade noch tolerieren kann – wieder nach einem Zwiegespräch mit Gott, ist es bei Chavas Wahl mit seiner Geduld vorbei. Denn Fedja ist KEIN Jude! Da ist es selbst dem herzensguten Tevje zuviel und er verstößt sie.

Doch auch das ist noch nicht das größte Problem,mit denen er zu kämpfen hat, denn am Ende wird das gesamte Dorf, zumindest die jüdischen Mitbewohner, gezwungen, Anatevka zu verlassen und die Familie und Freundschaften werden auf immer zerrissen.

Bestürzung machte sich auch in Röttingen im Publikum breit, so gebannt war man von den Schauspielern auf der Bühne, die es einfach so geschafft hatten, Röttingen in Anatevka zu verwandeln und jeden Zuschauer zu einem Bewohner ihres kleinen Dorfes machten. Doch als die Bestürzung gewichen war, folgte ein donnernder Applaus, der die Künstler auf der Bühne für ihre wundervolle und mitreißende Darstellung belohnte und nicht enden zu wollen schien. Zusammen mit den Darstellern wurde auch das Orchester und die gesamte Technik mit Applaus überschüttet, da es ohne sie nur halb so schön gewesen wäre, doch leider wird dies viel zu oft vergessen.

Tevje – Wolf Aurich (spielte diese Rollen bereits über 500 Mal)

Golde – Renate Kastelik (künstlerische Leitung, Regie und Hauptrolle in einem!)

Zeitel, Oma Zeitel – Anna Kowalko (hat bereits an vielen Wettbewerben erfolgreich teilgenommen)

Hodel, Fruma-Sara – Ulla Pilz (spielt bereits zum 5. Mal bei den Festspielen in Röttingen)

Chava – Barbara Endl (ein bezaubernder kleiner Spatz)

Mottel Kamzoil, 2. Mann, Rabbi – Raimund Stangl (Leiter von Schaupiel- Gesang und Improtheater-Seminaren)

Perchik, Nachum, 2. Russe, Bürger – Johannes Hanel (aufwühlend und aufrührerisch)

Fedja, Mendel, 1. Mann, 1. Russe – Martin Mairinger (begabt und sehr vielseitig, spielte auch schon das Phantom der Oper)

Lazar Wolf, Awram – Rainer Stelzig (war schon in Film- und Fernsehproduktionen zu sehen)

Jente, Wirtin, Schandel – Brigitte Wegenberger (tourte schon durch Japan)

Moschtach, Waachtmeister – Bruno Thost (Schaupieler, Regisseur und Intendant der Festspiele)

Bürger, Rabbi, Russischer Offizier – Georg Todter (Inspizient, Regieassistent, Requisiteur, Abendspielleiter und Kleindarsteller bei den Festspielen)

Ihnen und natürlich auch dem gesamten Creativteam der Festspiele sei ein herzlicher Dank ausgesprochen, im Namen des begeisterten Publikums, welches nach der Vorstellung im Burghof noch immer davon schwärmte und beschloß, daß man doch wiederkommen wolle. Doch dazu muß man sich wahrlich beeilen, denn leider läuft Anatevka nicht mehr allzu lange in Röttingen.

Bewertung: 5 von 5

Link zum Originaltext: http://www.buehnenzeitung.de/?id=3414&tag=blog

Posted in Rezension.


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